19.10.2017

Was sind Gründe, die dazu führen, am Studium zu zweifeln oder es sogar abzubrechen? Wir haben uns auf dem Campus der Universität Hamburg umgehört und spannende Antworten von Studierenden erhalten.

Jennifer Tamara Koch (30), 3. Semester Erziehungs- und Bildungswissenschaften:

Ich habe mein erstes Studium abgebrochen. Der Grund: meine Schwangerschaft! Ich habe Rechtswissenschaften studiert, wurde dann schwanger und dann war für mich sofort klar, dass ich erstmal ganz für meine Tochter da sein will. Ich wollte keine Pseudo-Karriere-Mutti werden. Ich war dann noch eingeschrieben, bin aber nicht mehr zur Uni gegangen. Nach einem Semester Pause habe ich mich in meiner neuen Rolle als Mama entschieden, das Studium der Rechtswissenschaften abzubrechen und mich für Erziehungs- und Bildungswissenschaften eingeschrieben, mit Nebenfach Soziologie.

 

Felix Reibold (19), 3. Semester Wirtschaftsingenieurswesen:

Ich glaube ein großer Grund für Zweifel ist die fehlende Motivation. Wenn man nicht genügend Fortschritte macht, fängt man an, seine Entscheidung zu überdenken. Das war bei mir leider auch so. Ich hab mich im ersten und zweiten Semester zu sehr auf die faule Haut gelegt und muss jetzt in diesem Semester einige Kurse wiederholen. Das kostet viel Zeit. Da hab ich mir schon überlegt, ob sich das überhaupt noch lohnt, ob ich nicht etwas anderes anfangen möchte, vielleicht eine Lehre. Im Endeffekt hab ich mich aber dafür entschieden, weiterzumachen. Ich denke, dass das Zeitinvestment, was ich jetzt schon geleistet habe und die paar Kurse, die ich schon bestanden habe, zumindest eine Basis sind, auf der es sich lohnt, weiterzumachen. So werde ich nun im 3. Semester alles aufholen und quasi drei Semester gleichzeitig machen.

 

Anna Sander (29), 3. Semester Biologie und Chemie auf Lehramt:

Ich habe meinen Bachelor-Abschluss in Molekularbiologie gemacht. Im ersten Master-Semester ist mir allerdings einiges aufgegangen. Wie soll ich sagen – Laborarbeit ist sterbenslangweilig. Wenn nicht das vermutete Ergebnis rauskommt, weiß man nicht, ob man einfach nur vergessen hat, die Pipettenspitze zu wechseln, ob die Probe nicht gestimmt hat, ob das Gerät nicht korrekt arbeitet oder ob man die Lösung falsch angesetzt hat. Man muss immer wieder alles von vorne machen. Außerdem ist mir klar geworden, dass ich eigentlich viel lieber mit Menschen arbeiten will. Meine Mutter hat mich dann auf das Lehramts-Studium gebracht. Sie unterrichtet mit 67 immer noch, ist glückliche Grundschullehrerin und hat mir immer gesagt, wie gut das auch zu mir passen würde. Deshalb dachte ich mir: Ich probiere das mal. Nun studiere ich im 3. Semester. Biologie und Chemie sind super, allerdings ist die Erziehungswissenschaft eine sehr weiche Wissenschaft – ich mag lieber harte Wissenschaften. Ich glaube, dass der Lehrerberuf viel damit zu tun hat, wer man als Mensch ist, was man darstellt und wie man die Kinder für etwas begeistern kann. Und das kann man nicht lernen.

 

Jonas Kaphingst (22), 3. Semester Erziehungs- und Bildungswissenschaften:



Ich habe zwei Monate lang Bauingenieurswesen an der TU Harburg studiert. Vor dem Studium dachte ich, dass das voll mein Ding wäre. Dann saß ich da und die Inhalte haben mich einfach nicht interessiert. Null. Ich dachte mir dann, dass es nichts bringt, weiterzumachen, um später einen Beruf auszuführen, der mich nicht berührt. Alles war so festgefahren. Und meine Kommilitonen waren sehr zielstrebig und auf sich fokussiert, statt auf die Gemeinschaft. Dann dachte ich mir: Ich hau ab. Ich war sieben Monate in London, danach habe ich mich für Erziehungswissenschaften eingeschrieben. Und das war definitiv die richtige Entscheidung: viel entspannter, viel nettere Leute, viel interessantere Inhalte.

 

Janina Eggers (21), 3. Semester Biologie und Geschichte auf Lehramt:

Ich habe ein Semester Ökotrophologie studiert. Dann ist mir aber relativ schnell bewusst geworden, dass ich mich in keinem Job sehe, in dem ich entweder Produkte oder mich selbst verkaufen muss. Viele, die Ökotrophologie studieren, gehen in die Lebensmittelindustrie – und ich wollte keiner von diesen bösen Menschen sein, die andere Leute verarschen und einfach nur Profit machen wollen. Ich habe mir überlegt, in welchem Beruf ich etwas Gutes tun und mit Menschen arbeiten kann. Und welche Fächer mir in der Schule richtig Spaß gemacht haben. Deshalb habe ich mich für das Studium von Geschichte und Biologie auf Lehramt entschieden – als Lehrer kann man einfach mehr bewegen.

Fotos: Stefanie Thiele