Bildungsbericht Hamburg 2011 veröffentlicht

Bildungsbericht Hamburg 2011 veröffentlicht

Der am 27. September veröffentlichte Hamburger Bildungsbericht 2011 durchleuchtet zum zweiten Mal das Bildungssystem in Hamburg. Unter Federführung des Instituts für Bildungsmonitoring ist der Bericht von der Behörde für Schule und Berufsbildung in Kooperation mit weiteren Behörden erstellt worden. In Fortführung und Erweiterung des ersten Hamburger Bildungsberichts 2009 stellt der Bericht ausgewählte statistische Kennzahlen zu den verschiedenen Bereichen des Bildungswesens dar.
Der zweite Hamburger Bildungsbericht unterstreicht, so Senator Ties Rabe, eine Reihe von zentralen Herausforderungen im Bildungswesen:

  • Die Schülerzahlen steigen. Zugleich steigt der Anteil von Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern. Diese benachteiligten Schüler bleiben die Sorgenkinder der Schulpolitik: Hier sind weitere Anstrengungen erforderlich, um ihnen neue Chancen zu eröffnen.
  • Seit dem Schuljahr 2010 nutzen zahlreiche Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Chance zum Besuch allgemeiner Schulen. Für diese Schüler muss jetzt ein einheitliches und zukunftssicheres Konzept zur Beschulung entwickelt werden.
  • Der Rückgang der Ausbildungsplatzbewerber eröffnet Schulabgängern neue Chancen, direkt in die duale Ausbildung zu wechseln. Durch Veränderungen im Angebot der Berufsschulen wollen wir deshalb Warteschleifen im Übergangssystem abbauen und mehr Schulabgängern den Weg in die Ausbildung ebnen.
  • Erfreulich ist die Zunahme von Bildungs- und Betreuungsangeboten in Ganztagsschulen und Kindertagestätten. Diese Entwicklung muss weitergeführt werden.
  • Positiv sind auch der Anstieg der Abiturquote auf den Höchststand von 48 Prozent und der anhaltende Rückgang der Schulabbrecher auf den Tiefststand von 7,5 Prozent.
  • Darüber hinaus verweist der Bildungsbericht erneut darauf, dass die Qualität von Schule und Unterricht weiterentwickelt werden muss. Die Unterrichtsqualität hängt nach wie vor fast ausschließlich von der einzelnen Lehrkraft ab. Es besteht daher erheblicher Entwicklungsbedarf für ein systematisches Qualitätsmanagement an Hamburger Schulen.

Einige ausgewählte Ergebnisse aus dem Bildungsbericht Hamburg 2011:

  • Anders als in anderen Bundesländern wächst in Hamburg noch voraussichtlich bis 2020 die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die Bildungseinrichtungen besuchen. Dabei ändert sich die soziostrukturelle Zusammensetzung der Bildungsteilnehmer durch ein Aufwachsen des Anteils der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Lag der Anteil der unter Dreijährigen mit Migrationshintergrund in 2005 noch bei 32,5 Prozent, so stieg er bis 2009 auf 45,3 Prozent an. Es gibt Hinweise auf eine systematische Bildungsbenachteiligung dieser Kinder und Jugendlichen. Im Mittel haben sie deutlich häufiger einen Sprachförderbedarf, besuchen eher die Stadtteilschule als das staatliche Gymnasium, haben überproportional häufig einen sonderpädagogischen Förderbedarf, schneiden in Schulleistungstest schlechter ab, brechen häufiger die Schule ab und erzielen niedrigere Abschlüsse.
  • Der Bildungsbericht offenbart große regionale Disparitäten. Beispiele hierfür: Überdurchschnittlich viele Schulabgänger ohne Abschluss leben in St. Pauli (20%), Billstedt und Wilhelmsburg (17%), überdurchschnittlich viele Jugendliche mit Abitur leben in Rissen, Eppendorf, Sasel, Bergstedt und Volksdorf (ca. 70%). In den Stadtteilen Dulsberg, Veddel, Billstedt und Jenfeld ist mehr als die Hälfte der 0- bis 6-Jährigen auf staatliche Unterstützung angewiesen. In den Stadtteilen Jenfeld, Billstedt, Horn, Rothenburgsort, Veddel, Wilhelmsburg, Cranz, Harburg und Heimfeld weisen über 43 Prozent der Viereinhalbjährigen einen Sprachförderbedarf auf, in 28 Stadtteilen liegt dieser Anteil unter 16 Prozent.
  • Aus Schulleistungsuntersuchungen im Bundesländervergleich geht hervor, dass die soziale Benachteiligung in Hamburg weniger ausgeprägt ist als im bundesdeutschen Durchschnitt. Gleichwohl bestehen weiterhin deutliche soziale Unterschiede in der Bildungsbeteiligung.
  • Mit 64 Prozent befindet sich eine hoher Anteil der 60.261 Schülerinnen und Schülern an Hamburgs berufsbildenden Schulen in dualer Ausbildung. Insgesamt sind die Schülerzahlen in der dualen Berufsausbildung entsprechend dem Bundestrend rückläufig. Waren es 2008/09 noch 39.104 Auszubildende, sank die Zahl 2010/11 auf 38.274. Die Anfänger in den Berufsschulen sind dabei mit durchschnittlich 20,7 Jahren vergleichsweise alt.
  • 8.293 Schülerinnen und Schüler befanden sich im Schuljahr 2010/11 im Übergangssystem, also an einer berufsbildenden Schule, die zu keinem berufsqualifizierenden Abschluss führt.
  • Da in der Schulstatistik noch keine Verlaufsdaten zur Verfügung stehen, kann der Bildungsbericht keine Aussagen zu den Anschlussperspektiven von Schulabgängern machen. Eine erste Befragung von Schulabgängern hat allerdings ergeben, dass viele Schulabgänger lieber weiter zur Schule gehen, als eine Berufsausbildung zu beginnen.
  • Der Trend zu höherwertigen Schulabschlüssen und weniger Schulabbrechern hielt auch in 2010 an. Im Vergleich zum letzten Bildungsbericht veränderten sich die Anteile in folgender Weise: Abitur 48,0 Prozent (2008: 39,1%), Fachhochschulreife 3,4 Prozent (2008: 2,0%), Realschulabschluss: 24,6 Prozent (2008: 29,3%), Hauptschulabschluss 16,6 Prozent (2008: 21,4%), ohne Hauptschulabschluss: 7,5 Prozent (2008: 8,2%).

Der Bericht steht auch als Download zur Verfügung:
www.bildungsmonitoring.hamburg.de/bildungsbericht2011