Schulentwicklungsplan für berufsbildende Schulen

Schulentwicklungsplan für berufsbildende Schulen

Senator Ties Rabe veröffentlicht Referentenentwurf für einen Schulentwicklungsplan der staatlichen berufsbildenden Schulen in Hamburg
Schulsenator Ties Rabe hat heute den Referentenentwurf für einen Schulentwicklungsplan der staatlichen berufsbildenden Schulen vorgestellt. Der neue Schulentwicklungsplan soll die künftigen Standorte, Schulgrößen und beruflichen Angebote der berufsbildenden Schulen festlegen. Senator Rabe: „Wir wollen das berufsbildende System leistungsfähiger machen, um junge Menschen besser beruflich und gesellschaftlich zu integrieren. Vor dem Hintergrund veränderter Berufsbilder sowie sinkender Schülerzahlen im berufsbildenden Bereich wollen wir die berufsbildenden Schulen neu und zukunftsfähig aufstellen, damit sie in den kommenden Jahren die Herausforderungen in der beruflichen Bildung bewältigen können. Wir entwickeln die Schulen so weiter, dass sie eine vernünftige Größe haben und somit Schwankungen besser auffangen können. Zudem sollen bislang auf mehrere Schulen zersplitterte Ausbildungsgänge zusammengeführt werden, um die Fachlichkeit zu verbessern. Deshalb werden die 44 berufsbildenden Schulen voraussichtlich bis Ende 2017 zu 31 Schulen zusammengeführt. Gleichzeitig werden wir bis 2024 für den Schulbau der berufsbildenden Schulen 676 Millionen Euro investieren.“

Der alte Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 1985 wird den veränderten Anforderungen nicht mehr gerecht:

Die Internationalisierung der Arbeitswelt, zunehmend flexiblere Arbeitsprozesse und die Notwendigkeit zur Fachkräftesicherung haben Berufsbilder und Ausbildungsgänge in Qualität und Quantität erheblich verändert.
Zahlreiche Veränderungen haben zu einer sehr heterogenen Schullandschaft geführt, in der sich die einzelnen Schulen erheblich in ihrer Größe, Struktur und Ausstattung unterscheiden.
Seit 2009 haben sich die Schülerzahlen an den berufsbildenden Schulen unter anderem durch den Abbau von Warteschleifen von rund 59.800 auf derzeit rund 55.000 verringert und sie werden sich mittelfristig bei rund 53.500 einpendeln.
Viele Schulgebäude sind marode und werden modernen Lernansprüchen nicht mehr gerecht. Die Planungen ermöglichen zielgenaue Bauinvestitionen und schaffen bessere Möglichkeiten für individualisiertes, kompetenz- und lernfeldorientiertes Lernen und Arbeiten, Teamarbeit und eine moderne IT-Ausstattung.
Senator Rabe: „Indem wir jetzt Bildungsgänge sinnvoll konzentrieren und schulübergreifend planen, entstehen wertvolle Synergien. Der Referentenentwurf sieht vor, dass die Ausbildung in einem Beruf oder einer Berufsgruppe im Regelfall an einer Schule durchgeführt wird. Schulen werden so zusammengeführt und weiterentwickelt, dass sie eine fachlich sinnvolle Bildungsgangstruktur erhalten und ihre jeweiligen Stärken einbringen können. Dadurch gewährleistet Hamburg eine hohe Ausbildungsqualität.“

Der Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB), Rainer Schulz: „Durch das Fachberufsschulprinzip können die Lehrkräfte neben ihren pädagogisch-didaktischen Kompetenzen auch hochspezialisierte berufs- und branchenspezifische Fachkompetenzen gebündelt einbringen und durch die Schule entsprechend (weiter)qualifiziert werden. Davon profitieren auch Auszubildende und Schülerinnen und Schüler anderer Bildungsgänge am jeweiligen Standort. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass bei Bildungsgängen mit aufwändigen Werkstätten und teuren Lern-/Lehrmitteln in zukünftig zusammengelegten Schulen Synergien ermöglicht werden. Zudem können Berufe mit sehr geringen Ausbildungszahlen weiterhin in Hamburg ausgebildet werden.“

Die Standortvorschläge orientieren sich an einer Schulgröße und Funktionalität von rund 80 Vollzeitlehrerstellen und einer Mindestzügigkeit von vier Klassen je Vollzeitbildungsgang. Weiterhin wird ein Mindestangebot von dualen Bildungsgängen oder vollqualifizierenden Berufsfachschulen sowie einer anderen Schulform angestrebt. Diese Größe gewährleistet, dass Schulen die demografische Entwicklung sowie Schwankungen auf dem Ausbildungsmarkt besser abfangen können. Sie stellt zudem ein hochwertiges Unterrichtsangebot sowie eine ausreichende Stundenausstattung für die Schulentwicklung sicher. Aus regionalen Gründen können Vorschläge von diesen Eckwerten abweichen.

Die Schulen sollen als Ganztagsschulen geführt werden. Schulleitungen großer berufsbildender Schulen mit mehr als 80 Vollzeitlehrerstellen werden mit einer zusätzlichen Verwaltungsleitung von verwaltend-organisatorischen Aufgaben entlastet. Des Weiteren werden alle Schulen Mittel für eine professionelle IT-Betreuung erhalten. Zur Umsetzung der Planungen wurde ein Begleitkonzept entwickelt, das Schulleitungen, Lehrkräfte sowie das nicht-pädagogische Personal an den Schulen bei den Veränderungsprozessen unterstützen soll.

Rainer Schulz: „Wir haben von Anfang an Schulleitungen, Schulbau Hamburg, Verbände, Kammern und Sozialpartner in die Planung eingebunden. Zudem wurden regionale Besonderheiten berücksichtigt. In die Standortplanungen wurden außerdem Neu- und Umbauten sowie Sanierungsmaßnahmen im Rahmen der sogenannten „HIBB-Tranche“ einbezogen. Die „HIBB-Tranche“ umfasste ursprünglich den Neu- bzw. Umbau von 15 berufsbildenden Schulen durch einen privaten Bauträger. Wegen der veränderten Schülerzahl werden zukünftig 17 Schulen in den geplanten Gebäuden untergebracht sein.“

Die geplanten Baumaßnahmen führen zu einer Zusammenlegung von Schulstandorten und deutlichen Verbesserung der Unterrichtsbedingungen sowie der räumlichen Nutzung und Auslastung der Schulen. Durch flexible Raumzuschnitte und Raumnutzungen werden die Schulen neuen Unterrichtsanforderungen und individualisierten Unterrichts- und Lernformen besser gerecht. Frei werdende Ressourcen, die im Zuge der Schulentwicklung zum Beispiel durch die Abmietung von Flächen entstehen, werden für die Sanierung und Weiterentwicklung der verbleibenden oder neuen Standorte genutzt werden.

Zwei Beispiele:

• Berufszentrum Budapester Straße

An der Budapester Straße ist ein Berufszentrum mit rund 120 Lehrervollzeitstellen für Banken, Versicherungen und Recht geplant, in dem die Fachkompetenzen dieser Bereiche an einem Standort konzentriert werden. Das Zentrum soll durch Fusion von drei berufsbildenden Schulen entstehen; der Staatlichen Handelsschule mit Wirtschaftsgymnasium Weidenstieg (H 5), dem Wirtschaftsgymnasium St. Pauli (H 16) und der Staatlichen Handelsschule mit Wirtschaftsgymnasium Kieler Straße (H 19). Letztere wird durch die Fusion voraussichtlich im 1. Quartal 2015 Unterrichtsflächen in der Eckernförder Straße frei machen, die wiederum durch die Stadtteilschule Kurt Tucholsky genutzt werden können.

• Einzelhandelszentrum Ankelmannstraße

In der Ankelmannstraße soll aus derzeit vier einzelnen Schulen ein modernes Einzelhandelszentrum mit zwei Schulen entstehen, in denen alle Kaufleute im Einzelhandel an einem Standort unterrichtet werden. Aufgrund der Größe des Zentrums sollen die beiden entstehenden Schulen organisatorisch getrennt sein, jedoch eng miteinander kooperieren. Durch den Neubau können moderne flexible Raumkonzepte und Unterrichtsräume realisiert und zentrale Räume wie eine Mediothek, multifunktionale Versammlungsflächen, Sporthalle oder Cafeteria gemeinsam genutzt werden. Eine der beteiligten berufsbildenden Schulen, die Staatliche Handelsschule Altona (H 6) macht am frei werdenden Standort Ohlenkamp Platz für die Stadteilschule Goosacker.

Weiteres Verfahren

Der Referentenentwurf wird heute an die Schulen und Gremien mit der Bitte um Stellungnahme verschickt. Bis zum 6. September 2013 erfolgt die Rückmeldung der Schulen sowie im Anschluss daran ein gestuftes Rückmeldeverfahren der weiteren Gremien. Voraussichtlich im November 2013 ist eine abschließende Beschlussfassung durch die Deputation der Behörde für Schule und Berufsbildung geplant.

HIBB-Jahresbericht 2012

Das Hamburger Institut für Berufliche Bildung hat in den vergangenen Jahren wichtige Maßnahmen zur Reform der beruflichen Bildung auf den Weg gebracht. Der heute ebenfalls vorgelegte HIBB-Jahresbericht 2012 zieht hierzu eine positive Zwischenbilanz. Dazu gehören aufeinander aufbauende Maßnahmen für einen verbesserten Übergang von der Schule in die Berufsbildung, die Einrichtung der Jugendberufsagentur in Hamburg, die Reform der dualisierten Ausbildungsvorbereitung, eine erhöhte Durchlässigkeit in der beruflichen Bildung und Verbesserungen zum Erwerb höherer Bildungsabschlüsse in der beruflichen Bildung. Der Referentenentwurf zur Schulentwicklungsplanung baut darauf auf.

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