Neue Chancen statt Warteschleifen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Neue Chancen statt Warteschleifen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

HIBB veröffentlicht Jahresbericht 2013. Positive Bilanz nach drei Jahren Reformarbeit in der beruflichen Bildung.
In dieser Legislaturperiode hat der Senat wichtige Voraussetzungen geschaffen, um Jugendliche und junge Erwachsene zielgerichteter in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen, Warteschleifen beim Übergang von der Schule in den Beruf abzubauen und die berufliche Bildung attraktiver zu gestalten. Jetzt gibt es erste Erfolge. Mehr als 47 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die nach der Schule ohne Beschäftigung oder Ausbildungsplatz waren, konnten dank der neuen dualisierten Ausbildungsvorbereitung spätestens nach einem Jahr eine Ausbildung oder Beschäftigung finden. Und rund 71 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der neuen Berufsqualifizierung schließen einen Ausbildungsvertrag ab. Ebenfalls erfreulich: Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im Übergangsbereich ist in den vergangenen Jahren in Hamburg deutlich von 6.327 (Schuljahr 2007/08) auf 2.691 (Schuljahr 2013/14) gesunken, wie das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) in seinem Jahresbericht 2013 bilanziert.

Schulsenator Ties Rabe: „Wir haben die früheren Übergangsangebote für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz durch neue Angebote an den berufsbildenden Schulen ersetzt und auf diese Weise Warteschleifen abgebaut. Die neue dualisierte Ausbildungsvorbereitung der beruflichen Schulen kombiniert schulische Maßnahmen mit Praktika in Ausbildungsbetrieben und führt so Jugendliche und junge Erwachsene direkt in die praktische, berufliche Tätigkeit und in die Betriebe. Das hat Erfolg, auch Dank der zahlreichen von der Wirtschaft bereitgestellten Praktikumsplätze. Die verbesserten Übergangsmaßnahmen sind Teil eines Gesamtprogramms zur Verbesserung des Übergangs von der Schule in den Beruf. Weitere Maßnahmen sind eine bessere Berufs- und Studienvorbereitung in der Schule sowie die Einführung der Jugendberufsagentur, um junge Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf besser zu beraten und aktiv zu begleiten.“

Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg: „Die von Senat und Wirtschaft getragenen Reformen am Übergang Schule-Beruf sind ein wichtiger Schritt, um die duale Berufsausbildung auch weiterhin attraktiv zu halten. Ihren Ursprung haben diese Bemühungen in der Umsetzung der Berufsschulreform und der Gründung des HIBBs, was zu einer Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen in Hamburg geführt hat, die noch nie so gut war wie heute. Wir benötigen zukünftig alle Jugendlichen für die duale Ausbildung. Nach Einrichtung der bundesweit wegweisenden Jugendberufsagentur in Hamburg muss nun das Zusammenführen von freien Ausbildungsplätzen und suchenden Jugendlichen besser gelingen. Aktuell sind in unserer Online-Lehrstellenbörse (www.hamburger-lehrstellenboerse.de) noch rund 500 Ausbildungsplätze für das laufende Jahr in allen Branchen zu vergeben. Ich appelliere an die Jugendlichen, sich jetzt schnell zu bewerben, um sich einen attraktiven Ausbildungsplatz noch für 2014 zu sichern.“

Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB-Bezirks Nord: „Der DGB und die Gewerkschaften haben hohe Erwartungen in die Hamburger Reformmaßnahmen. Wir unterstützen diesen Prozess nachdrücklich, weil das Hamburger Modell und sein Herzstück, die Jugendberufsagentur, auch im Bundesvergleich die weitest gehende Gewähr versprechen, junge Menschen ohne die bisher üblichen Warteschleifen direkt in Ausbildung zu bringen. Auch wenn die in Hamburg erreichte Transparenz beim ersten Blick in die Ausbildungsstellenstatistik noch keine verbesserte Ausbildungsmarktlage erkennen lässt, muss dieser Prozess fortgesetzt werden. Vor allem sind jetzt die Arbeitgeber gefordert, wirklich mehr Ausbildungsstellen bereit zu stellen.“

Zahl der Schüler im Übergangsbereich sinkt

Mit Umsetzung der Maßnahmen zur Reform der beruflichen Bildung wurde in Hamburg der Übergangsbereich grundlegend umgestaltet und Warteschleifen abgebaut. Im Vergleich zu 2007/08 verringerte sich dadurch die Zahl der Jugendlichen, die in den Übergangsbereich eintraten, von 6.327 (23,6 Prozent aller Anfänger im Ausbildungsgeschehen) auf 2.691 im Schuljahr 2013/14 (12,5 Prozent). Rechnet man Sonderformen der Berufsvorbereitungsschule für junge Migrantinnen und Migranten im Übergangsbereich heraus, mündeten 2013/14 sogar nur 2.276 Jugendliche in den Übergangsbereich ein (10,8 Prozent). Im Bundesdurchschnitt münden hingegen rund 27 Prozent aller Anfänger im beruflichen Bildungssystem in den Übergangsbereich ein.

Mehr als 75 Prozent (39.387) aller Schülerinnen und Schüler an den Hamburger berufsbildenden Schulen besuchten im Schuljahr 2013/14 Bildungsgänge, in denen sie eine abgeschlossene Berufsausbildung erwerben. Im Rahmen der dualen Ausbildung besuchten sie eine Berufsschule (36.274), sie wurden vollschulisch an einer vollqualifizierenden Berufsfachschule ausgebildet (2.914) oder erhielten im Rahmen der Berufsqualifizierung einen Einstieg in die duale Berufsausbildung (199).

Neu: Ausbildungsvorbereitung „dual & inklusiv“

Die zentrale Maßnahme des reformierten Übergangsbereichs ist die dualisierte Ausbildungsvorbereitung (AV). Sie ist individuell gestaltbar, bezieht Betriebe als Lernorte ein und garantiert eine verlässliche Begleitung der Jugendlichen. Die 2011 im Projekt erprobte AV ist seit dem Schuljahr 2013/14 zum Regelsystem in der Berufsvorbereitungsschule geworden. Schulpflichtige Jugendliche, die noch nicht beruflich orientiert sind, sollen dazu befähigt werden, einen ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Ausbildungsplatz bzw. Anschluss zu finden. An drei Tagen in der Woche lernen sie in Betrieben im Rahmen eines Praktikums und werden durch eine Mentorin oder einen Mentor begleitet. Dabei erleben und erkennen sie ihre Stärken, erleben den Alltag im Betrieb und erfahren sich in neuen Rollen. Der Eintritt und die Verweildauer in der Ausbildungsvorbereitung sind unterschiedlich und es wird nach individualisierten Lehr- und Lernkonzepten gearbeitet.

Mehr als 42 Prozent der AV-Schülerinnen und Schüler haben keinen Schulabschluss, rund 43 Prozent verfügen über einen ersten Schulabschluss und ca. 15 Prozent über einen mittleren Schulabschluss (Erhebung aus Schuljahr 2012/13). Jugendliche, die ohne Abschluss in die AV eintreten, kommen zum größten Teil aus der Förderschule nach Jahrgangsstufe 9, sind dann noch zwei Jahre schulpflichtig und verbleiben daher zu einem großen Teil ein zweites Jahr in der Ausbildungsvorbereitung.

Im Schuljahr 2012/13 konnten 40,6 Prozent der AV-Schülerinnen und -Schüler nach der AV einen Ausbildungsvertrag abschließen und weitere 6,8 Prozent in Beschäftigung übergehen. Rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die AV ohne einen Abschluss beginnen, holen diesen im Rahmen der Ausbildungsvorbereitung nach.

Ab Schuljahr 2014/15 werden in acht der 21 beruflichen Schulen mit AV-Angeboten auch Plätze für berufsschulpflichtige Jugendliche mit und ohne Behinderungen angeboten. In dieses inklusive Bildungsangebot werden junge Menschen mit speziellem sonderpädagogischen Förderbedarf aufgenommen (Förderschwerpunkte Körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung, Sehen, Hören und Kommunikation, Autismus). Mehr als 60 Jugendliche mit Behinderung haben sich bis Ende Juli für die inklusive Ausbildungsvorbereitung angemeldet.

„Berufsqualifizierung“ eröffnet weitere Chancen

Als weitere Maßnahme bietet die „Berufsqualifizierung im Hamburger Ausbildungsmodell“ (BQ) seit 2011 Jugendlichen, die trotz mehrfacher Bewerbungen keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, einen Zugang in die duale Ausbildung. In BQ können Jugendliche in 31 Ausbildungsberufen das erste Ausbildungsjahr an der berufsbildende Schule absolvieren. Umfangreiche Praktika in Betrieben eröffnen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Chance, während dieser Zeit Kontakte zu Betrieben aufzubauen und einen dualen Ausbildungsplatz zu bekommen. Die bis dahin absolvierte Ausbildungszeit wird dann auf die Ausbildung angerechnet. Jugendliche, die nach erfolgreichem Bestehen des ersten Jahres keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden haben, setzen ihre Berufsausbildung bei einem Träger fort.

Rund 71 Prozent der BQ-Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlossen im Schuljahr 2012/13 einen Ausbildungsvertrag ab, davon rund 80 Prozent betrieblich und 20 Prozent bei einem Träger. Lediglich 29 Prozent absolvierten die BQ nicht erfolgreich, wobei die Mehrheit als Grund eine falsche Berufswahl angab. Für das Schuljahr 2014/15 werden 470 BQ-Plätze in 18 berufsbildenden Schulen bereitgestellt. Die Plätze werden in enger Abstimmung mit den Sozialpartnern und Kammern geschaffen und bedarfsgerecht ausgebaut. 383 Jugendliche bewarben sich bislang, 183 nahmen das Angebot im Schuljahr 2014/15 bisher an. Weitere 10 zugelassene Bewerberinnen und Bewerber konnten bereits vor Beginn des Schuljahres in ein betriebliches Ausbildungsverhältnis wechseln.

Neue Bildungsangebote werten die berufliche Ausbildung auf

Schulsenator Ties Rabe: „Die Berufsausbildung ist ein hervorragender Start in die berufliche Karriere. Sie bietet den Auszubildenden höchstes praktisches und theoretisches Niveau und gilt weltweit als Erfolgsmodell der deutschen Wirtschaft und der deutschen Arbeits- und Ausbildungwelt. Wichtig ist, dass die berufliche Ausbildung keine Sackgasse ist, sondern neue Chancen eröffnet. In Hamburg haben wir deshalb die duale Ausbildung so gestaltet, dass sie zugleich Chancen auf einen besseren Schulabschluss bietet.“

Fachhochschulreife parallel zur Ausbildung

Im Rahmen der beruflichen Ausbildung bietet Hamburg seit dem Schuljahr 2011/12 allen Auszubildenden die Möglichkeit, ihren Schulabschluss zu verbessern und die Fachhochschulreife zu erwerben. Im Schuljahr 2013/14 nutzten 377 Berufsschülerinnen und -schüler das Angebot, davon befanden sich 73 im ersten Ausbildungsjahr, 135 im zweiten, 167 im dritten und 2 im vierten Ausbildungsjahr. Im ersten Durchgang haben bereits rund 85 Prozent die Prüfung zur Fachhochschulreife bestanden.

Berufsoberschule: Abitur nach der Ausbildung

Wer nach seiner Berufsausbildung das Abitur machen will, muss nicht in Fernstudiengängen oder Abendkursen büffeln. Im Schuljahr 2012/13 wurde in Hamburg die neue Berufsoberschule (BOS) eingeführt. Sie führt junge Menschen nach ihrer beruflichen Ausbildung in den vier Ausbildungsrichtungen Gestaltung, Gesundheit und Soziales, Technik sowie Wirtschaft und Verwaltung zu Fachhochschulreife und Abitur. 2013 erwarben 76 Schülerinnen und Schüler die Fachhochschulreife, 2014 schafften die ersten 75 Absolventinnen und Absolventen das Abitur. Der Eintritt in die BOS ist je nach vorherigem Bildungsabschluss (mittlerer Schulabschluss oder Fachhochschulreife) in Jahrgangsstufe 12 oder direkt in 13 möglich.

 

Für Rückfragen der Medien:

Behörde für Schule und Berufsbildung

Peter Albrecht, Pressesprecher
Tel: (040) 4 28 63 – 2003
E-Mail: peter.albrecht@bsb.hamburg.de

Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB)

Dr. Angela Homfeld, Leitung Öffentlichkeitsarbeit
Tel. (040) 4 28 63 – 2842
E-Mail: angela.homfeld@hibb.hamburg.de

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