1.012 jugendliche Flüchtlinge jetzt im Praktikum in Hamburger Betrieben

1.012 jugendliche Flüchtlinge jetzt im Praktikum in Hamburger Betrieben

Berufsschulen und Wirtschaft organisieren gemeinsam die Integration jugendlicher Flüchtlinge

Bei der Integration geflüchteter Jugendlicher ist Hamburg einen großen Schritt vorangekommen: Dank der engen Zusammenarbeit von Hamburgs berufsbildenden Schulen und der Hamburger Wirtschaft konnten 1.012 geflüchtete und neu zugewanderte Jugendliche nach den Herbstferien ein Praktikum in einem Hamburger Betrieb beginnen. Die Praktika sind Teil des zweijährigen Bildungsgangs „dualisierte Ausbildungsvorbereitung“ (AvM-Dual) für alle geflüchteten Jugendlichen ab 16 Jahren. Im Rahmen von AvM-Dual lernen sie an den Hamburger Berufsschulen die deutsche Sprache und vertiefen diese durch eine integrierte Sprachförderung im Betrieb. Sie erhalten Unterricht in allen wichtigen Kernfächern mit Ziel Erster oder Mittlerer Bildungsabschluss und absolvieren drei umfangreiche Praktika in Betrieben. Der verpflichtende, ganztägige Bildungsgang für alle geflüchteten und neu zugewanderten Jugendlichen zielt auf eine zügige Integration in Ausbildung und Arbeit.

Schulsenator Ties Rabe: „Hamburgs berufsbildende Schulen und Hamburgs Betriebe haben enorme Anstrengungen unternommen, damit geflüchtete Jugendliche in Schule und Betrieb gleichzeitig lernen und arbeiten können. Wir sind fest überzeugt, dass die Jugendlichen durch diese Kombination von Theorie und Praxis schneller und besser die deutsche Sprache und zugleich die Arbeitswelt von Grund auf kennenlernen. Durch das unmittelbare Erleben der Arbeitswelt erwerben sie zudem kulturelle Kompetenzen und setzen sich mit den Werten und Normen unserer Gesellschaft auseinander. Unser großer Dank gilt der Hamburger Wirtschaft sowie den Lehrkräften und betrieblichen Integrationsbegleitern an den berufsbildenden Schulen, die es in einer gewaltigen Kraftanstrengung geschafft haben, in kurzer Zeit so viele Praktika für die jungen Menschen zu organisieren.“

Die große Zahl von über 1.000 Praktikumsplätzen für die AvM-Dual-Schüler wird auch seitens der Kammern begrüßt. „Das ist ein großartiges Ergebnis. Es unterstreicht die hohe Bereitschaft der Hamburger Wirtschaft, Flüchtlinge über eine Ausbildung in unser Arbeitsleben und damit in die Gesellschaft zu integrieren“, sagt Josef Katzer, Präsident der Handwerkskammer Hamburg. Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer unterstreicht: „Die Tatsache, dass für alle AvM-Dual-Schüler betriebliche Praktikumsplätze gefunden werden konnten, zeigt, wie eng und vertrauensvoll Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe nach rund einem Jahrzehnt Berufsschulreform in Hamburg zusammenarbeiten.“

AvM-Dual wurde im Februar 2016 als Pflichtangebot für alle geflüchteten Jugendlichen über 16 Jahre an den Berufsschulen eingerichtet. Zurzeit besuchen 2.244 junge Menschen in 144 Schulklassen an 34 berufsbildenden Schulen die entsprechenden Kurse. Rund 155 Lehrerstellen stehen für den Unterricht zur Verfügung. Im ersten halben Jahr erhalten die Jugendlichen schwerpunktmäßig Unterricht in Deutsch und anderen allgemeinbildenden Fächern sowie im Lernbereich Lebensorientierung. Danach lernen sie in der Regel wöchentlich drei Tage in der Schule und zwei Tage im Betrieb. In den Betrieben werden die Jugendlichen nicht nur von Lehrkräften und Ausbildern, sondern auch von 72 betrieblichen Integrationsbegleitern unterstützt. Sie helfen, Wege in Ausbildung, Beschäftigung oder weiterführende Bildungsangebote zu bahnen.

Das Schulangebot umfasst 30 Wochenstunden Unterricht in Sprache und Kommunikation, Mathematik, Fachenglisch und Gesellschaft. Zusätzlich geht es um die Orientierung in unserer Gesellschaft, zum Beispiel Kennenlernen wichtiger Institutionen und Einrichtungen, Bewältigung von Alltagsanforderung (Mobilität, Gesundheitspflege, Einkaufen, Umgang mit Geld etc.).

Im Betrieb müssen sich die Jugendlichen zudem in vielfältigen Kommunikationsanlässen behaupten: vom berufsspezifischen Fachgespräch über den Kundenkontakt bis hin zum Pausengespräch mit Kollegen. Ihre Erfahrungen werden in den Schulen aufgegriffen und vertieft. Das betriebliche Praktikum fördert somit das Erlernen der Sprache. Umgekehrt spielt der Sprachstand bei der Auswahl des Praktikums eine Rolle. Wichtig sind deshalb eine passgenauer Akquise und eine gute Kommunikation mit den Betrieben. Die Praktika wurden in allen Branchen und Berufen gewählt, eine besondere Rolle spielt jedoch das Handwerk zum Beispiel im Bereich Elektronik und KFZ.

Rainer Schulz, Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (HIBB): „Im Rahmen eines Pilotversuchs konnten wir mit AvM-Dual 27 Prozent der Jugendlichen direkt in eine Ausbildung oder Beschäftigung integrieren. 14 Prozent entschieden sich für einen weiterführenden Schulbesuch, 23 Prozent werden in Anschlussmaßnahmen der Agentur für Arbeit auf eine Ausbildung vorbereitet. In Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur erhalten alle Beratungsangebote. Angesichts der unterschiedlichsten Ausgangsvoraussetzungen der Schüler freue ich mich besonders über die hohe Quote der erreichten Schulabschlüsse.“

Im August 2014 war AvM-Dual an vier berufsbildenden Pilotschulen in 12 Klassen mit 189 neu zugewanderten Jugendlichen gestartet. Sie waren zwischen 16 und 18 Jahre alt, kamen aus 29 Herkunftsländern, waren geprägt durch unterschiedliche Kulturen und hatten zwischen 0 und 10 Jahre in ihrem Heimatland die Schule besucht. Nachdem 48 Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Gründen den Bildungsgang verließen (unter anderem Abmeldung aus Hamburg), erreichten von den verbliebenen 141 Schülerinnen und Schüler 37 Prozent den ersten Schulabschluss, 27 Prozent den mittleren Schulabschluss und 33 Prozent ein Abschlusszeugnis der Berufsvorbereitungsschule.

Derzeit besuchen mehr als 2.700 neu zugewanderte Jugendliche die berufsbildenden Schulen in Hamburg. 2.244 von ihnen besuchen den Bildungsgang AvM-Dual. 342 weitere Jugendliche, die in ihrer Heimatsprache nicht oder kaum alphabetisiert sind, erwerben in einem bis zu 12-monatigen Angebot zunächst erste deutsche Sprachkenntnisse. 27 besonders leistungsstarke Jugendliche werden in Internationalen Vorbereitungsklassen der Sekundarstufe II auf die Oberstufe an Stadtteilschulen, allgemeinen oder beruflichen Gymnasien vorbereitet.

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