AvM-Dual integriert junge Geflüchtete

Mehr als ein Drittel wechselt nach Besuch der Ausbildungsvorbereitung in Ausbildung oder Beschäftigung

Hamburg bietet jugendlichen Flüchtlingen an den berufsbildenden Schulen gute Chancen, sich zügig in Arbeitswelt und Gesellschaft zu integrieren. Dies bestätigt die Auswertung des zweiten Pilotjahrgangs der Ausbildungsvorbereitung für Migranten (AvM-Dual). 28,3 Prozent der Absolventen des Pilotjahrgangs wechselten 2017 in eine Ausbildung, weitere 7,6 Prozent gingen direkt in Beschäftigung. 6,5 Prozent entschieden sich für den weiterführenden Schulbesuch. Der bundesweit beachtete Bildungsgang AvM-Dual ist seit 2016 Regelangebot an den berufsbildenden Schulen. Er stellt den neu zugewanderten Jugendlichen, die sehr unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen haben, betriebliche Integrationsbegleiter zur Seite und bereitet sie mittels Praxisphasen auf die duale Ausbildung vor. Um diese im Anschluss zu meistern, benötigen neu Zugewanderte weiterhin Sprachförderung. Deshalb haben die Berufsschulen im Schuljahr 2017/18 für rund 700 Auszubildende zusätzliche Sprachförderangebote aufgebaut.

Bildungssenator Ties Rabe: „Die Integration geflüchteter Jugendlicher gelingt am besten über den Beruf. Mit dem ganztägigen Bildungsgang AvM-Dual hat Hamburg ein Angebot geschaffen, das geflüchteten Jugendlichen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen gute Chancen auf Integration eröffnet. Manche standen in ihrem Heimatland kurz vor dem mittleren Schulabschluss, andere haben gar nicht oder nur wenige Jahre die Schule besucht. Die Berufsschullehrer, betrieblichen Integrationsbegleiter und die Praktikumsbetriebe stellen sich in der Ausbildungsvorbereitung AvM-Dual gemeinsam dieser besonderen Herausforderung und unterstützen die Schülerinnen und Schüler. So bekommen geflüchtete Jugendliche die Chance, ihren Weg ins Arbeitsleben und in Ausbildung zu finden. Damit sie dann auch die hohen sprachlichen Anforderungen einer Ausbildung meistern können, bieten die Berufsschulen zusätzlich zur bewährten Sprachbildung im Fachunterricht für derzeit rund 700 neu zugewanderte Auszubildende integrierte und additive Sprachförderangebote an.“

AvM-Dual: Integration neu zugewanderter Jugendlicher sichern
2014 führte Hamburg AvM-Dual als bundesweit beachtetes Pilotmodell, das auf eine zügige Integration in Ausbildung zielt, ein. Seit Februar 2016 ist es das verpflichtende Regelangebot für alle schulpflichtigen neu zugewanderten und geflüchteten Jugendlichen ab 16 Jahren. Im Rahmen des ganztägigen Bildungsgangs lernen sie an den berufsbildenden Schulen die deutsche Sprache und vertiefen diese durch eine integrierte Sprachförderung während drei umfangreicher Praktika im Betrieb. Betriebliche Integrationsbegleiter und Berufsschullehrkräfte unterstützen die Jugendlichen und sind zugleich Ansprechpartner für die Betriebe. Der Unterricht vermittelt den Jugendlichen darüber hinaus wichtige interkulturelle Kompetenzen, die den Integrationsprozess fördern. Im Rahmen von AvM-Dual kann der erste oder mittlere Bildungsabschluss vorbereitet und erworben werden. Betriebe und Jugendliche profitieren, weil sie einander frühzeitig kennenlernen und sich daraus Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote entwickeln können.

Die Auswertungen des zweiten Pilotjahrgangs mit Beginn im August 2015 bestätigen die Wirksamkeit des Konzeptes: Von 92 AvM-Abgängerinnen und Abgängern begannen 28,3 Prozent eine Ausbildung, unter anderem als Verkäufer, Fahrzeuglackierer, Koch und Mediengestalter. 7,6 Prozent gingen in Beschäftigung. 6,5 Prozent entschieden sich für einen weiterführenden Schulbesuch mit dem Ziel, die Hochschulreife zu erlangen. 18,5 Prozent fanden einen Platz in einer trägergestützten Berufsvorbereitung und rund 39 Prozent nahmen zum Stichtag noch Beratungsangebote der JBA in Anspruch, darunter auch Jugendliche die beispielsweise im Mutterschutz waren oder einen Sprachkurs absolvierten. Bei 46 Prozent der Absolventen im Jahr 2017 steht im Abschlusszeugnis nach AvM-Dual zusätzlich die Berechtigung des ersten allgemeinbildenden Schulabschlusses, bei 8 Prozent zusätzlich die des mittleren Schulabschlusses.

EQ-M: Einstiegsqualifizierung für Migranten
EQ-M ist ein Angebot für nicht mehr schulpflichtige junge geflüchtete Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Sie können sich im Rahmen eines sechs- bis zwölfmonatigen betrieblichen Praktikums in ihrem möglichen Ausbildungsberuf erproben, parallel besuchen sie zwei Tage wöchentlich die Berufsschule mit dem Schwerpunkt Sprachförderung. Ziel ist es, nach Ablauf der Praktikumszeit die Ausbildung im Betrieb zu beginnen. Dies ist 73 Prozent, also 27 von 37 EQ-M-Abgängern, im Schuljahr 2016/17 gelungen. Branchenschwerpunkte waren die gewerblich-technischen Berufe sowie Dienstleistung und Handel.

Integrierte und additive Sprachförderung in der Berufsschule
Um die hohen sprachlichen Anforderungen in Fachunterricht und Prüfungen an den Berufsschulen zu meistern, benötigen derzeit rund 700 neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler zusätzlich zum durchgängig sprachsensiblen Fachunterricht weitere Sprachförderung. Das Angebot ist für alle Auszubildenden, die weniger als fünf Jahre in Deutschland leben und deren Sprachkenntnisse unterhalb der Niveaustufe B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens liegen. Es beinhaltet integrierte Angebote im Umfang von zwei Wochenstunden innerhalb der bestehenden Stundentafel des Berufsschulunterrichts plus zwei additive Wochenstunden in der betrieblichen Ausbildungszeit in Absprache mit den Betrieben. Alle Hamburger Berufsschulen bieten die verpflichtende integrierte Sprachförderung an, die sich sprachlich und fachlich auf die ersten Lernfeldern des jeweiligen Ausbildungsberufes bezieht. Zusätzlich nutzen rund 45 Prozent der Betriebe den additiven Unterricht, stellen ihre Auszubildenden von der Arbeit frei und schicken sie zur Sprachförderung.

Seit 2017 werden die Berufsschullehrerinnen und -lehrer für diese zusätzlichen Sprachförderangebote umfangreich durch das Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) qualifiziert. Im Februar 2018 wird der dritte Durchgang dieser Fortbildung mit dann insgesamt 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern abgeschlossen sein. Darüber hinaus bilden Qualifizierungsmaßnahmen des LI für sprachsensiblen Unterricht seit mehr als sechs Jahren einen Schwerpunkt in der Fortbildung für Berufsschullehrkräfte. Sie beziehen die Ausbildung von Sprachbeauftragten in den Berufsschulen mit ein.

Rückfragen der Medien

Behörde für Schule und Berufsbildung
Peter Albrecht, Pressesprecher
Tel. (040) 4 28 63 – 2003
E-Mail: peter.albrecht@bsb.hamburg.de

Hamburger Institut für Berufliche Bildung
Christine Gottlob, Öffentlichkeitsarbeit
Telefon (040) 428 63-2314
E-Mail: christine.gottlob@hibb.hamburg.de

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Pressemitteilung BSB