Schüler:innen – auch von der BS 02 (s.u.) – auf der Suche nach vergangenem und gegenwärtigem Unrecht und mit Engagement für ein gleichberechtigtes Miteinander: Am 27. Januar 2026, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, wurden junge Menschen in Hamburg zum 28. Mal mit dem BERTINI-Preis ausgezeichnet. Der BERTINI-Preis 2025 wurde an 126 junge Menschen aus sechs schulischen Projekten verliehen. Beworben hatten sich 19 Projekte, dabei waren Schüler:innen aus 9 Stadtteilschulen, 7 Gymnasien, einer beruflichen Schule, junge Menschen aus einem Theaterprojekt sowie zwei Studierende vertreten. Die Preisverleihung im Ernst Deutsch Theater wurde eröffnet durch ein Grußwort der Senatorin Melanie Schlotzhauer, die Festrede hielt Hèdi Bouden, moderiert wurde die Veranstaltung von Christian Buhck.
Bildungssenatorin Ksenija Bekeris: „Die Schülerinnen und Schüler sind im Rahmen von sechs Projekten auf die Suche nach vergangenem und gegenwärtigem Unrecht gegangen und haben sich für ein gleichberechtigtes Miteinander engagiert. Über dieses Engagement freue ich mich sehr und ermutige alle Hamburger Schülerinnen und Schüler sich ganz im Sinne von Ralph Giordano gegen die Ausgrenzung von Menschen einzusetzen. Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen erfordern umso mehr Engagement und Haltung jedes und jeder Einzelnen, auch im schulischen Alltag.“
Ausgezeichnet wurden folgende Projekte:
Die Klasse 8d der Otto-Hahn-Schule entwickelte das eindrucksvolle Theaterprojekt „Nie wieder!“ auf Grundlage des Romans „Damals war es Friedrich“ von Hans Peter Richter. Die Schüler:innen setzten sich intensiv mit den Themen Nationalsozialismus, Verfolgung der Jüd:innen und den Parallelen zur heutigen Zeit auseinander. Das Stück „Nie wieder!“ ruft dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv gegen Rechtsextremismus und Intoleranz zu stellen. Die Schüler:innen übernahmen Recherche, Drehbuch, Regie und Aufführung selbstständig. Das Projekt steht beispielhaft für Erinnerungskultur, Zivilcourage und gelebte Demokratie im Schulalltag.
Die Theaterkurse des 12. und 13. Jahrgangs der Stadtteilschule Bramfeld setzen sich in ihrem Stück „… weil ich NEIN sagte“ mit einem hochaktuellen und gesellschaftlich relevanten Thema auseinander: Gewalt gegen Frauen. Ausgangspunkt war die erschütternde Erkenntnis, dass in Deutschland fast täglich ein Femizid geschieht und jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens physische oder sexualisierte Gewalt erfährt. Die Schüler:innen entwickelten ein etwa 40-minütiges multimediales Theaterstück, das verschiedene Formen von Gewalt sichtbar macht – von psychischer und physischer bis hin zu digitaler Gewalt. Durch den Einsatz unterschiedlicher Medienformate entsteht ein eindringliches, interaktives Erlebnis, das Betroffenen eine Stimme gibt und das Publikum zum Nachdenken und Handeln anregt. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie junge Menschen künstlerische Mittel nutzen, um gesellschaftliche Missstände zu thematisieren und Bewusstsein für Gleichberechtigung und Menschenwürde zu schaffen.
Zu Beginn des Jahres 2025 feierte die Schulgemeinschaft des Friedrich-Ebert-Gymnasiums die „Feste der Demokratie“. Anlass waren der 100. Todestag des Namensgebers Friedrich Ebert sowie die Bürgerschafts- und Bundestagswahlen. Ziel war es, demokratische Werte sichtbar zu machen und ihre Bedeutung im Unterricht wie im Schulalltag hervorzuheben. Der Höhepunkt entstand jedoch durch eine aktuelle politische Situation: Eine AfD-Wahlkampfveranstaltung in der Friedrich-Ebert-Halle mobilisierte zahlreiche Schüler:innen und Lehrkräfte, die sich mit Bannern und demokratischen Botschaften im Schulraum positionierten. Auf dem Schulhof spannten sie ein großes Banner mit der Aufschrift „Demokratie braucht keine Alternative!“ sowie weitere Symbole für Vielfalt und Zusammenhalt. Das Projekt stärkte das demokratische Bewusstsein der gesamten Schulgemeinschaft und setzte ein klares, sichtbares Zeichen gegen Extremismus und für eine offene, vielfältige Gesellschaft.
Seit Frühjahr 2024 erforscht die AG „Jüdische Biografien“ des Helene-Lange-Gymnasiums die Lebenswege der rund 300 jüdischen Schülerinnen, die zwischen 1910 und 1934 das Helene-Lange-Gymnasium besuchten. Daraus entstand ihr Projekt „Hier lernten…“. In Zusammenarbeit mit dem „Arbeitskreis Stolpersteine und jüdisches Leben“ recherchierten die Schüler:innen im Staatsarchiv, besuchten Gräber auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf und machten berührende biografische Funde. Ziel ist die Gestaltung einer dauerhaften Galerie mit biografischen Porträts im Schulgebäude. Aus der Projektarbeit entstand die Verlegung von 27 Stolpersteinen am 8. Juli 2025 vor dem Gymnasium, die an ermordete ehemalige Schülerinnen erinnern. Die feierliche Zeremonie wurde von der Schulgemeinschaft gestaltet und live in alle Klassenräume übertragen. Gunter Demnig verlegte die Steine persönlich, Schüler:innen trugen Gedichte und Auszüge aus Biografien vor, das Jewish Chamber Orchestra spielte, und der Landesrabbiner sprach ein bewegendes Grußwort. Das Projekt schafft einen wichtigen Raum der Erinnerung, würdigt individuelle Schicksale und stärkt das historische Bewusstsein der Schulgemeinschaft nachhaltig.
Die berufliche Schule BS02 führte einen umfangreichen Aktionsmonat zur temporären Schulumbenennung zu „Julius Hirsch Schule“ durch. Im Rahmen des Projekts „Julius Hirsch“ setzten sich 21 Klassen verschiedenster Bildungsgänge mit Themen wie Demokratie, Menschenrechte, Antifaschismus und Erinnerungskultur auseinander. Sichtbar wurde der neue Namensgeber durch eine Graffitiwand, Sticker, Banner und Plakate, ergänzt durch vielfältige Workshops und Projekte: darunter Besuche beim NDR am Tag der Pressefreiheit, in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Lesungen von Brix Schaumburg, ein Workshop zu Zusammenhalt, eine große Graffitiaktion sowie die Ausstellung „Rechte Gewalt in Hamburg von 1945 bis heute“. Zudem beteiligten sich Klassen am Aktionstag „Orange the World“ und die Schülervertretung nahm an der Verlegung des Stolpersteins für Elise Krämer teil. Am 27. November 2025 repräsentierten zudem zehn Schüler:innen und zehn Kolleg:innen die Schule bei der Julius-Hirsch-Preisverleihung in der Fabrik; dort stellten zwei Jugendliche die Vita von Julius Hirsch vor und präsentierten Projektergebnisse auf der Galerie. Den Abschluss bildete am 28. November 2025 eine gemeinsame Veranstaltung mit Schüler:innen und zahlreichen Gästen aus Gedenk-, Fußball- und Zivilgesellschaft, darunter Vertreter:innen der DFB-Kulturstiftung, der Gedenkstätte Neuengamme und der Familie Hirsch. Der Aktionsmonat schärfte das Bewusstsein für historische Verantwortung, stärkte demokratische Haltung und setzte ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung – gekrönt von einem gemeinsamen Karaoke-Flashmob zu „You’ll Never Walk Alone“.
Basierend auf dem Spiel „Secret Hitler“ hat das Theaterprofil Jahrgang 12 der Stadtteilschule Blankenese die Gameshow „Wer die Wahl hat“ zur Demokratieförderung entwickelt, die interaktiv mit ihrem Publikum ist und deren Ausgang jedes Mal anders sein kann. Spielerisch zeigen sie auf, wie schleichend sich faschistische Positionen ausbreiten können, die in populistischem Gewand unterhaltsam und kurzweilig daherkommen.
Ausführliche Berichte zu den sechs Preisträger:innen-Projekten finden sich unter www.bertini-preis.de oder auf den Instagram- und Facebook-Accounts (@bertinipreis).
Hintergrund: Der BERTINI-Preis
Der Name des Preises geht zurück auf den Roman „Die Bertinis“, in dem der Hamburger Schriftsteller Ralph Giordano, angelehnt an das Schicksal seiner Familie, die Verfolgung in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur schildert. Der Roman geißelt die Ausgrenzung, Verfolgung und Erniedrigung, die viele Hamburger:innen in jener Zeit erlitten, und er beschreibt Menschen, die damals wegschauten, das Unrecht duldeten oder unterstützten. Zugleich würdigt er jene, die Zivilcourage bewiesen und ihren verfolgten Mitbürger:innen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens – geholfen haben.
Anknüpfend daran will der BERTINI-Preis Projekte fördern, die sich gegen Ausgrenzung von Menschen in Hamburg wenden. Der BERTINI-Preis fördert Erinnerungsarbeit und die Aufdeckung von Spuren vergangener Unmenschlichkeit in Hamburg. Er würdigt junge Menschen, die ungeachtet der persönlichen Folgen couragiert eingegriffen haben, um Unrecht, Ausgrenzung und Gewalt von Menschen gegen Menschen in Hamburg zu verhindern.
Weitere Informationen: www.bertini-preis.de
Rückfragen der Medien
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Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen
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