Hamburg sichert Fachkräftenachwuchs für Kitas

Hamburg sichert Fachkräftenachwuchs für Kitas

Maßnahmenkatalog öffnet sozialpädagogische Berufsausbildung für mehr Interessierte und gewährleistet hohe Ausbildungsstandards

Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) hat sich mit den Kita-Verbänden darauf verständigt, den Fachkraftschlüssel in vier gleichen Schritten auf 1:4 zu verbessern und damit bereits im kommenden Jahr zu beginnen. Jeweils zum 1. Januar der Jahre 2018 bis 2021 werden zusätzlich jeweils gut 500 Fachkräfte neu eingestellt. Um genügend Fachkräfte zu gewinnen, haben die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) und die BASFI einen umfangreichen Maßnahmenkatalog vereinbart. Ziel ist es, noch mehr junge Menschen für das sozialpädagogische Berufsfeld zu gewinnen und gleichzeitig den hohen Qualitätsstandard in der Ausbildung dieser Fachkräfte zu wahren. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen werden ab dem Schuljahr 2017/18 umgesetzt.

Die Umsetzung der ursprünglich mit den Kita-Verbänden vereinbarten Verbesserung des Fachkraftschlüssels im Krippenbereich auf 1:4 zum 1. August 2019 würde zu diesem Stichtag mehr als 2.000 zusätzliche Fachkräfte erfordern. Die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg (AGFW) ist deshalb an die BASFI mit dem Wunsch herangetreten, die Qualitätsverbesserung schrittweise zu realisieren. Darauf haben sich die BASFI und die Kita-Verbände nun verständigt. Jeweils zum 1. Januar der Jahre 2018 bis 2021 werden zusätzlich jeweils gut 500 Fachkräfte neu eingestellt. Für die Eltern bedeutet diese stufenweise Umsetzung, dass ihre Kinder früher von der Qualitätsverbesserung profitieren. Der Bedarf an pädagogischen Fachkräften wird dadurch entzerrt und an die künftigen Ausbildungsabsolventenzahlen angepasst.

Um den Ausbau zu unterstützen, will die Schulbehörde an den beruflichen Schulen mehr Sozialpädagogische Assistenzen und mehr Erzieher ausbilden. Zudem sollen durch ein ganzes Maßnahmenbündel mehr junge Menschen für das attraktive Berufsfeld gewonnen werden. So werden die Zugangsvoraussetzungen für Abiturienten erleichtert, Leistungsstärkere können die Ausbildung verkürzen und erstmals können auch Schüler mit Hauptschulabschluss eine Ausbildung beginnen, wenn sie ein halbes Jahr länger lernen. Dank eines erweiterten Meister-Bafög und verbesserter Ausbildungsangebote können Auszubildende zudem endlich schon während ihrer Ausbildung Geld verdienen.

Senatorin Melanie Leonhard: „Immer mehr Familien nehmen die Betreuungsangebote in Kitas und Ganztagsschulen in Anspruch. Hamburg meistert die Ausbauleistung wie kaum eine andere westdeutsche Stadt. Diese erfreuliche Entwicklung allein löst in den nächsten Jahren einen erheblichen Fachkräftebedarf aus. Hinzu kommt: Wir haben mit den Kita-Verbänden und den Eltern Qualitätsverbesserungen im Krippen- und im Elementarbereich vereinbart. Der Fachkräftebedarf wird dadurch zusätzlich größer. Ich freue mich, dass wir mit den Verbänden eine realistische Lösung zur Deckung des Fachkräftebedarfs gefunden haben. Davon profitieren insbesondere die Kinder, die bereits ab dem kommenden Jahr – also schneller als geplant – mehr Erzieherinnen und Erzieher bekommen. Gemeinsam mit der Bildungsbehörde haben wir ein Paket geschnürt, um die Zahl der Fachkräfte verlässlich zu steigern. Das sichert die Umsetzung dieser wichtigen Vereinbarung.“

Schulsenator Ties Rabe: „Die Schulbehörde hat seit 2011 mehrere Schritte unternommen, um die Zahl der Aus- und Weiterbildungsplätze für Sozialpädagogische Assistenten und Erzieher zu steigern und den steigenden Bedarf an sozialpädagogischen Fachkräften in Kitas und Ganztagsschulen zu erfüllen. So konnte die Zahl der Ausbildungsabsolventen auf jährlich 1.500 gesteigert werden. Gleichzeitig gewährleisten Hamburgs Berufsschulen hohe Qualitätsstandards in der Ausbildung dieser Fachkräfte. Mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen will die Schulbehörde die Zahl der sozialpädagogischen Nachwuchsfachkräfte nochmals steigern. Dazu erleichtern wir Abiturienten den Einstieg in die Erzieherausbildung und öffnen das interessante sozialpädagogische Berufsfeld für weitere Gruppen. Unsere Fachschulen für Sozialpädagogik stellen sich mit der Umsetzung der Maßnahmen einer großen Herausforderung. Dabei werden wir sie intensiv unterstützen und begleiten.“

Die Planungen zu den nun beschlossenen Maßnahmen fanden in enger Abstimmung zwischen BSB, BASFI, Kita-Trägern, Landeselternausschuss (LEA) und Leitungen der Sozialpädagogischen Fachschulen statt. Sie werden ab dem Schuljahr 2017/18 umgesetzt. Das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) wird gemeinsam mit den Verantwortlichen in den beruflichen Fachschulen für Sozialpädagogik die Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Maßnahmen steuern und gestalten.

Neu ist, dass junge Menschen mit Abitur oder Fachhochschulreife künftig bereits nach einem viermonatigen Sozial-Praktikum in die dreijährige Aus- und Weiterbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher einsteigen können. Bisher war dies erst nach einem einjährigen Praktikum möglich. Absolventen des Beruflichen Gymnasiums der Fachrichtung Pädagogik & Psychologie oder der Fachoberschule mit Schwerpunkt Sozialpädagogik können zukünftig sogar direkt die verkürzte zweijährige Erzieherausbildung beginnen.

Neu ist auch, dass Realschüler, die den Ausbildungsgang Sozialpädagogische Assistenz (SPA) absolviert haben, zukünftig direkt und ohne Notenschwelle in die verkürzte zweijährige Erzieherweiterbildung übergehen können. Zusätzlich haben sie die Möglichkeit, während der SPA-Ausbildung die Fachhochschulreife zu erwerben.

Ebenfalls neu ist, dass die SPA-Ausbildung ab dem Schuljahr 2017/18 auch für junge Menschen mit dem Erweiterten Ersten Schulabschluss (ESA) geöffnet wird. Damit sie die bisherigen Ausbildungsstandards erreichen, wird die Ausbildung für diese Gruppe um ein halbes Jahr auf zweieinhalb Jahre verlängert. Damit verbunden sind 480 Stunden mehr Unterricht in Sprache und Kommunikation, Fachenglisch, Mathematik sowie Sozialpädagogischem Handeln. Das zusätzliche Halbjahr ist zugleich ein Probehalbjahr. Unterstützt werden die Schülerinnen und Schüler zusätzlich durch Lernbegleitung und bei Bedarf durch Förderunterricht und Betreuung im Rahmen der Assistierten Ausbildung (ASA). Interessierte können sich jetzt noch für das kommende Schuljahr bewerben. Zentrale Anmeldeschule für SPA-Auszubildende mit ESA ist die Berufliche Schule für Sozialpädagogik – Anna-Warburg-Schule (W 3).

Zum August 2017 startet zudem die Staatliche Fachschule für Sozialpädagogik – Fröbelseminar (FSP 1) erstmals mit der zweijährigen Fachschule für Heilerziehungspflege und ergänzt damit das bestehende private Bildungsangebot. Bewerbungen sind direkt bei der FSP 1 seit dem 1. Februar 2017 möglich. Die Schule wird voraussichtlich mit zunächst zwei Klassen starten. Staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger arbeiten in multiprofessionellen Teams unter anderem in Kindertageseinrichtungen und betreuen dort Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf.

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