17.05.2017

Inklusion in der beruflichen Bildung: Erfahrungen und Perspektiven am Übergang Schule – Beruf Abschlusstagung zum ESF-Projekt „dual & inklusiv: Berufliche Bildung in Hamburg“ setzt Fokus auf die betriebliche Ausbildung

Wie Inklusion am Übergang Schule – Beruf konkret gestaltet werden kann und welche Erfahrungen die Hamburger allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen gemeinsam mit Betrieben und Trägern in den vergangenen drei Jahren hierzu gesammelt haben, ist Thema der Abschlusstagung „Inklusion in der beruflichen Bildung: Zusammen denken – Gemeinsam handeln“. Seit 2014 erprobt das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) im Projekt „dual & inklusiv: Berufliche Bildung in Hamburg“ inklusive Angebote am Übergang Schule - Beruf. Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert und endet zum 31.07.2017. Das Fazit kurz vor Abschluss des Projekts lautet: Die konzeptionelle Arbeit und die konkreten Erfahrungen der Beteiligten vor Ort haben bestätigt, dass die erprobten Strukturen geeignet sind für mehr Inklusion in der beruflichen Bildung in Hamburg.

Hintergrund ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, mit der in Deutschland ein Prozess angestoßen worden ist, der im Wesentlichen den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern in Regelschulen in den Blick nimmt. Inklusion bezieht sich aber auf alle Bereiche unseres Bildungssystems, auch auf die berufliche Bildung und den Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf.

In drei Teilprojekten wurden deswegen an ausgewählten Standorten die Teilhabe Jugendlicher und junger Erwachsener mit speziellen Behinderungen oder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Gesamtsystem Übergang Schule – Beruf, das heißt im Bereich der Berufs- und Studienorientierung an Stadtteilschulen, in der dualisierten Ausbildungsvorbereitung (Av-Dual) sowie in ausgewählten Ausbildungsberufen, konzeptionell entwickelt und erprobt. Insgesamt sind im ESF-Projekt 26 Stadtteilschulen, 10 Av-Dual-Standorte, zwei Produktionsschulen und zwei Berufsschulen mit mehr als 100 Lehrkräften sowie 68 Projektmitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Leitung, Prozessbegleitung, Arbeitsassistenz oder als Multiplikatoren involviert.

Berufsorientierung: Für gelingende Übergänge sorgen

Im ersten Teilprojekt entwickelten 26 Stadtteilschulen ihre Berufs- und Studienorientierung weiter zu inklusiven Angeboten. Alle Jugendlichen, ob mit oder ohne Behinderung, können jetzt frühzeitig im Rahmen ihrer Möglichkeiten reale betriebliche Erfahrungen sammeln, diese reflektieren und sich ihrer Stärken und beruflichen Interessen bewusst werden. Inklusionsbeauftragte unterstützen dabei in Kooperation mit dem Netzwerk Berufliche Orientierung diesen Prozess mit ihrer Expertise.

Ausbildungsvorbereitung: Dualisierung als Erfolgsgeheimnis

Im zweiten Teilprojekt, der inklusiven dualisierten Ausbildungsvorbereitung (Av-Dual), lernen Jugendliche mit Behinderung, die noch nicht berufswahlentschieden sind, drei Tage in der Woche im Betrieb (mit Unterstützung von Arbeitsassistenzen) und zwei Tage in der Woche an einer der zehn berufsbildenden Projektschulen. Durch die Reflexion ihrer betrieblichen Erfahrungen können sie so ihren persönlichen Weg in Ausbildung oder Beschäftigung finden. Insgesamt 194 Jugendliche mit Behinderungen haben sich im Rahmen des Projektes für den Besuch der dualisierten Ausbildungsvorbereitung entschieden. 12 Jugendliche mit Beeinträchtigungen haben die Ausbildungsvorbereitung an zwei Produktionsschulen absolviert.

Duale Ausbildung: Teilhabe ermöglichen

Das dritte Teilprojekt befasst sich mit der dualen Ausbildung und der beruflichen Qualifizierung. In dem Rahmen wurden 33 junge Menschen mit Unterstützung einer Arbeitsassistenz in inklusiven Lerngruppen zu Verkäuferinnen bzw. Verkäufern und zu Fachlageristinnen bzw. Fachlageristen ausgebildet. Daran sind die beiden berufsbildenden Modellstandorte Berufliche Schule Eppendorf und Staatliche Gewerbeschule Werft und Hafen beteiligt. Seit dem Schuljahr 2016/17 wird im Rahmen des Projekts zusätzlich das Angebot „Berufsqualifizierung“ für den Beruf Fachlagerist angeboten. Ziel ist es, berufswahlentschiedenen jungen Menschen mit oder ohne Behinderung in einem inklusiven Angebot den zügigen Übergang in eine duale Ausbildung zu ermöglichen.

Perspektiven und Herausforderungen

Die im ESF-Projekt entwickelten Konzepte und Erfahrungen sind eine wichtige Grundlage, um nun in gemeinsamer Verantwortung bedarfsgerecht im Sinne der Jugendlichen inklusive Strukturen und Angebote in der beruflichen Bildung zu schaffen. Schlüsselelemente wie der Einsatz von Arbeitsassistenten in dualen Bildungsangeboten, die systematische Begleitung der Schulen, die Qualifizierung der Kollegien sowie die Arbeit in multiprofessionellen Teams haben sich bewährt.

Weitere Informationen zur Fachtagung:

„Inklusion in der beruflichen Bildung / Zusammen denken – gemeinsam handeln“
17. Mai 2017, 8:45 Uhr bis ca. 17:00 Uhr
Veranstaltungsort: Handwerkskammer Hamburg, Am Holstenwall 12, 20355 Hamburg
Medienvertreter sind herzlich willkommen; Anmeldung über die Projektleitung, Frau
Marlies Troeder (E-Mail: marlies.troeder@hibb.hamburg.de).

Rückfragen der Medien

Behörde für Schule und Berufsbildung
Peter Albrecht, Pressesprecher
Telefon (040) 4 28 63 – 2003
E-Mail: peter.albrecht@bsb.hamburg.de

Hamburger Institut für Berufliche Bildung
Dr.Angela Homfeld, Stabsstelle
Telefon (040) 428 63 – 2842
E-Mail: angela.homfeld@hibb.hamburg.de